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18.11.2011

Aktuelle Studie zum Thema „Nonverbales Verhalten im Fußball“ deckt erstmals die Mechanismen hinter den Reaktionen auf Körpersprache auf

von: Wirkhaus , in Kategorie: Angewandte Sportpsychologie

[18.11.2011]  Alle reden darüber, aber bislang sind Hintergründe und Auswirkung von KörperspraAutor der Studie, Philip Furley (M.A.), Deutsche Sporthochschule, Köln, Institut für Kognitions- und Sportspielforschungche im Sport wenig erforscht. Mit ihrer Studie „Nonverbales Verhalten im Fußball“ haben Philip Furley (M.A.) und Prof. Dr. Daniel Memmert von der Deutschen Sporthochschule Köln sowie Dr. M.S. Matt Dicks von der VU University Amsterdam sich genau dieses Themas angenommen: Dem Einfluss von dominanter und unterwürfiger Körpersprache auf die Eindruckbildung und Erfolgserwartung von Fußballspielern, welche in Kürze im ‚Journal of Sport and Excercise Psychology’ erscheint.

In zwei verschiedenen Experimenten wurde die Situation des Spielers beim Elfmeter-Schießen untersucht. Und das mit beeindruckenden Ergebnissen: Zum ersten Mal belegt eine Studie den engen Zusammenhang von Körpersprache und den damit verbundenen Eindrücken und Erwartungen und zeigt die dahinter liegenden Mechanismen auf. (mehr)

Diese bahnbrechenden Erkenntnisse lassen in Verbindung mit den wissenschaftlich längst abgesicherten Studien zur Selbstwirksamkeitsüberzeugung nun direkte Schlüsse auf das Verhalten als Reaktion auf körpersprachliche Signale zu. Bis hin zu der Folgerung, dass die ausgesendeten Signale der Körpersprache einen deutlichen Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg eines Spielers haben können.

 „Keine Frage: Ganz offensichtlich hat der Spieler bereits aufgegeben“. Es vergeht kein im Fernsehen übertragenes Fußballspiel, bei dem die Kommentatoren nicht irgendwann auf die Körpersprache zu sprechen kommen und daraus ihre Schlüsse ziehen: in Bezug auf die Selbstsicherheit des Spielers und in Hinsicht auf deren voraussichtlichen Erfolg. Besonders in kritischen Situationen wie dem 11-Meter-Schießen innerhalb von Turnieren liegt ein Schwerpunkt der Berichterstattung darauf, die Signale der Körpersprache zu deuten.

Das wir uns in der Körpersprache so gut auskennen, ist kein Wunder. Denn die verbale Kommunikation hat sich erst sehr spät entwickelt. Und auch, wenn die Sprache inzwischen unsere Kommunikation bereichert, so basiert unser Verhalten nach wie vor hauptsächlich auf den Signalen, die wir durch die Körpersprache unseres Gegenübers empfangen.

Zahlreiche Studien zur Selbstwirksamkeitsüberzeugung haben bereits sicher bewiesen, dass die innere Überzeugung, eine Leistung erbringen zu können, in direkter Verbindung zum Erfolg bei der Umsetzung steht. Genau wie im umgekehrten Fall Zweifel am Gelingen verstärkt ein Scheitern der Aktion zur Folge hat.

Die aktuell vorgelegte Studie deckt nun erstmals die Mechanismen auf, die hinter den Reaktionen auf Körpersprache liegen: sie gehen tief auf evolutionäre Wurzeln zurück. Denn eine der wichtigsten Lektionen im Kampf um Leben und Tod war es, die Körpersprache des Gegenübers richtig zu deuten und das eigene Verhalten darauf anzupassen.

Im ersten der beiden Experimente wurden Videos aus Sicht des Torwarts auf den 11-Meter-Punkt mit zwei verschiedenen Methoden aufgenommen. Einmal als reales Video und einmal als Lichtstreifen-Video vor schwarzem Hintergrund (siehe Bild).

Abbildung Körpersprache, Einzelbilder aus den Licht-Streifen- und realen Videos die eine dominante (links) und eine unterwürfige (rechts) Körpersprache zeigen Bei beiden Varianten wurden die Spieler mit einer als dominant wahrgenommenen Körperhaltung von Torwarten und Mitspielern als erfolgreicher eingeschätzt.

Zusätzlich wurden bei den realen Videos Unterschiede in der Einschätzung von Spielern in roten bzw. weißen Trikots überprüft. Im Gegensatz zu früheren Studien konnte hier kein Einfluss der Trikotfarbe auf die Erwartung festgestellt werden.

Dies legt den Schluss nahe, dass die Reaktion auf unterschiedliche Farben nicht, wie in einer englischen Studie von 2008 durch Greenlees et al. vermutet, evolutionär begründet ist, sondern vielmehr das Ergebnis einer sozialen Prägung. Hintergrund ist, dass in England die erfolgreichen und Elfmeter-starken Vereine überwiegend in roten Trikots spielen, während die in weißen Trikots spielende Nationalmannschaft eine eher schlechte Elfmeter-Quote zu verzeichnen hat. In der damaligen Studie war der evolutionäre Effekt als Auslöser vermutet worden, da die Farbe rot als Zeichen für Qualität und Dominanz steht.

Wissenschaftlich noch bedeutsamer ist jedoch das zweite Experiment. Erstmals wurde in der sozialen Forschung ein „Implicit Association Test (IAT)“ für die Untersuchung der Körpersprache eingesetzt. Der Test wurde genutzt um zu demonstrieren, dass dominante Körpersprache implizit mit einem positiven Fußball-Spieler Bild assoziiert wird und umgekehrt, unterwürfige Körpersprache mit einem negativen Bild. Das Ergebnis belegt beeindruckend den Zusammenhang zwischen den im Gehirn gespeicherten Personenschemata und der Reaktion auf Körpersprache: schon durch geringste Signale der Dominanz bzw. Unterwürfigkeit wird das gespeicherte Personenschema aktiviert. Damit verbunden sind die dazugehörige Einschätzung sowie die eigene Reaktion.

Psychologische Verhaltensstudien im Managementbereich belegen bereits die Kopplung von gespeichertem Personenschema und körpersprachlicher Reaktion: auf ein wahrgenommenes unterwürfiges Personenschema reagiert das Gegenüber mit einer dominanten Körpersprache und umgekehrt auf ein dominantes Personenschema mit unterwürfigen Körpersprachesignalen.

Bringt man die  Erkenntnisse der aktuellen Studie mit denen zur Selbstwirksamkeitsüberzeugung und zur Kopplung von gespeichertem Personenschema und körpersprachlicher Reaktion zusammen, legt dies den Schluss nahe, dass eine dominante Körpersprache positive Auswirkungen auf den Erfolg hat. Aktuell laufen am Institut für Kognitions- und Sportspielforschung die Experimente zu einer neuen Studie, die diese These für den Sportbereich belegen sollen. Die vorläufigen Ergebnisse, so Philip Furley, bestätigen den Zusammenhang ebenso wie die Übertragbarkeit der Studien aus anderen Bereichen.

Welche konkreten Hinweise können die Ergebnisse für die Sportpsychologie und für die Sportpraxis liefern? Der nun bewiesene enge Zusammenhang macht deutlich, dass die ausgesendeten Signale der Körpersprache einen deutlichen Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg eines Spielers haben können. Noch berücksichtigen Trainer dieses Wissen sehr wenig und fokussieren sich mehr auf Technik und Taktik. Doch zusätzlich zum Nutzen der freien Räume auf dem Feld könnte auch das Nutzen der der freien Räume über den Schultern, sprich das bewusste Aufrichten des Körpers, spielentscheidend sein.



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51. Jahrestagung der asp

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15th European Congress of Sport and Exercise Psychology

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